Fernweh nach Nähe pt.2

Die Bäume ziehen vorbei. Regentropfen auf der Scheibe, Musik in den Ohren. Die Kälte streift durch die Gräser, mir wär' lieber warm bei dir. Der Wind pfeift durch die Straßen. Dieser Funke, spürst du ihn auch? Spürst du, wie meine Augen nicht mehr von dir ablassen können? Diese Augen, die sonst an niemandem festhalten, kommen nicht mehr los von dir. Spürst du es wie meine Hand sich nach deiner sehnt? Spürst du es, wie ich deine Nähe brauche? Ich will kein neues Kapitel in meinem Leben, ich will ein ganz neues Buch. Und irgendwann, ja irgendwann ... wirst du es alles spüren. Irgendwann merkst du es, wie sehr ich dich brauche, wie ich mich nach deiner Nähe sehne. Irgendwann hast du auch Fernweh, nicht nach einem fremden Kontinent, sondern Fernweh nach Nähe.

Samstagnacht 3 Uhr



Ich will, dass du bei mir bist, wenn ich weine, und das tu‘ ich oft. Ich will, dass ich dich an meiner Seite weiß und du mich in den Arm nimmst, wenn ich nicht mehr kann. Und obwohl ich den Anschein erwecke, alles im Griff zu haben, entgleitet mir doch ständig alles so leicht. Dieses Gefühl, dass man Erwartungen zu erfüllen hat, Ziele zu erreichen, Dinge zu erledigen und dabei auch noch glücklich sein muss. Ich will, dass es Freitag- oder Samstagabend drei Uhr ist und du nicht unter lauter Musik die Nacht durchfeierst, sondern dass wir im Bett sitzen und über alles reden. Und wir nicht müde werden wollen, und sich keiner gelangweilt durch den anderen fühlt. Ich will, dass wir zweifeln über die ganze Welt. Dass wir verrückte Pläne machen, dass wir lachen, uns küssen, dass wir traurig sind und vor einander weinen können. So oft würde ich am liebsten meinen Frust raus lassen, fühle mich aber so fehl damit am Platz. Ich will in deinen Armen liegen und hören, dass alles wieder gut wird, ohne gesagt zu haben, dass irgendetwas schlecht sei. Ich will dir stundenlang von meinen Problemen erzählen und dann in Tränen ausbrechen. Ich will, dass du auch weinst, einfach, weil es dich traurig macht mich so zu sehen. Ich will, dass du mir erzählst, was dich jemals am glücklichsten gemacht hat. Ich will, dass ich dir dabei in die Augen schaue und alles sehe, was ich jemals gewollt habe. Ich will nicht, dass du den Drang verspürst woanders zu sein als bei mir, hier und jetzt, und mich einfach nur in den Arm nimmst und sagst, dass alles wieder gut wird

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